Chinesische Handschriften
Ausruhen = Mensch + Baum

Asiatische Schriftzeichen muten den europäischen Leser zunächst wie ein Buch mit „sieben Siegeln“ an. Aber ist das wirklich so? Wer sich damit beschäftigt, kann zurückverfolgen, wie aus der Darstellung eines Gegenstandes aus unserer Lebenswelt ein Symbol bzw. ein Schriftzeichen wird. Dabei findet eine Zeichenvereinfachung statt. Gute Beispiele dafür finden sich in Edith W. Lewalds Buch „Nicht überall schreibt man mit ABC. Die Bedeutung chinesischer und japanische Schriftzeichen“ (München: 1997, 1. Auflage). In diesem Werk, das im Rahmen der ältesten Kulturtechnik der Welt von Bedeutung ist, kann man die oben handschriftlich verfassten asiatischen Schriftzeichen in ihrer Entwicklung nachvollziehen:

In obigem Fall sind Form und Aussehen der asiatischen Schriftzeichen übereinstimmend: Man kann von Form und Aussehen auf die Bedeutung des Schriftzeichen schließen. Ursprünglich waren asiatische Schriftzeichen Piktogramme, das heißt, Symbole, die in vereinfachter Form die Wirklichkeit abbilden sollen. In ihrem Ursprung verwiesen chinesische und japanische Schriftzeichen auf Abbildungen von Menschen, Tieren, Gegenständen und den Elementen der Natur. Diesen bildlichen Charakter haben die asiatischen Schriftzeichen im Laufe der letzten Jahrtausende allerdings verloren. Es sind im Laufe der Zeit viele neue Schriftzeichen entstanden, bei denen Form und Aussehen keinen Hinweis auf die Bedeutung geben. Je komplexerer die Bedeutungen der chinesischen und japanischen Schriftzeichen wurden, desto abstrakter haben sich die Formen entwickeltet.